Jahreshauptversammlung

Vor dem Hintergrund sinkender Mitgliederzahlen und steigendem Aufwands entscheidet sich
der Stolberger TC Blau-Weiß für höhere Beiträge.

Wie muss sich ein traditionsreicher Verein aufstellen, um vor dem Hintergrund sich wandelnder gesellschaftlicher Rahmenbedingungen attraktiv zu bleiben und das auch zu finanzieren?

Vor dieser Frage steht der 1932 gegründete Tennisclub Blau-Weiß bei seiner Jahreshauptversammlung im renommierten Parkhotel direkt gegenüber der Anlage am Hammerberg gelegen. Dort bauen die Mitglieder des ersten Tennisclubs in der Kupferstadt im Laufe der Jahrzehnte eine ansehnliche Anlage auf. Bis vor wenigen Jahren noch acht, jetzt sieben Plätze am Rande des Naturschutzgebietes nebst einem Clubheim, das auch heute noch bewirtet werden kann, sind der ganze Stolz der Blau-Weißen.

Doch in den Jahren nach dem Boom des weißen Sports dank Boris „Bobbele“ Becker und Steffi Graf macht sich auch am Hammerberg langsam eine rückläufige Mitgliederentwicklung bemerkbar. Oder ist zumindest absehbar, wie die Prognose des Vorstandes über die nächsten fünf Jahre erkennbar macht. „Es finden weniger Interessenten zu unserem Sport“, konstatiert Raymond de Waele. Ein viel breiteres Angebot an Sportarten, eine Scheu vor Vereinen, die Konkurrenz des Internets und ein verändertes Freizeitverhalten sind einige der Gründe, lange Schulzeiten und eine gewandelte Interessenlage sind andere Gründe, die vor allem beim Nachwuchs punkten.

Heute zählt der Traditionsclub 263 Mitglieder, darunter bei der Aktivitas 119 Erwachsene und 42 Jugendliche. Bereits 2017 könnte die Zahl auf 207 Blau-Weiße sinken; dann würden noch 135 Cracks für Stolberg dem Filzball regelmäßig nachjagen. „Es ist frappierend“, so der Vorsitzende weiter: „Heute sind 92 unserer Mitglieder älter als 60 Jahre“. Der Durchschnitt der Clubmitglieder liege bei 55 Jahren. Dieser auf Basis konservativer Berechnungen prognostizierte Mitgliederschwund würde deutliche Konsequenzen zur Folge haben. Vor allem in Bezug auf die Einnahmen.

Schon seit Jahren weist der Finanzplan ein leichtes Minus unter dem Strich aus – dank der soliden Basis des Traditionsvereins eine verkraftbare Unterdeckung, die durch die Substanz aufgefangen werden kann. Aber die Rücklagen schwinden nicht nur, sie sind aufgrund der steuerlichen Rahmenbedingungen für einen als gemeinnützig anerkannten Verein auch auf ein Minimum zurückzuführen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Investitionen in die Unterhaltung der nicht jünger gewordenen Anlage kontinuierlich. Das Delta zwischen Einnahmen und Ausgaben droht in der Zukunft immer größer zu werden. Schon heute wägt der Vorstand intensiv ab, unterscheidet zwischen wünschenswerten und unabdingbaren Ausgaben. „Wenn wir nicht investieren, kommen wir nicht weiter in unseren Bemühungen, den Tennisclub positiv darzustellen und nachhaltig in die Zukunft zu führen“, ermutigt Udo Chantré. Auch der stellvertretende Club-Präsident mahnt, sorgfältig abzuwägen, wofür Geld ausgegeben werden soll.

Da ist einerseits das Geländer oberhalb der Plätze 2 und 3, das aus Gründen der Verkehrssicherheit ersetzt werden muss. Da ist die Wiederherstellung des separaten Zugangs zu Platz 5 hinter dem Center Court für einen geordneten Spielbetrieb. Es steht eine Reparatur des Platzes 3 an, die vermutlich wirtschaftlicher mit einer Sanierung des Platzes 2 erfolgen könnte. Investitionen, die sinnvollerweise durch den Abbau der Rücklagen finanziert werden sollen.Aber es bleiben die konstanten Kosten der alljährlichen Aufbereitung und Pflege der Aschenplätze –eine Voraussetzung für die hochkarätige Präsenz des Clubs in den Spielklassen des Tennisverbandes Mittelrhein – sowie der Unterhaltung des Clubheims, die gestemmt werden müssen.

„Vor allem die verbrauchsabhängigen Kosten für Energie und Wasser machen den Großteil aus und werden durch Pachteinnahmen auch langfristig nicht zu decken sein“, bekennt de Waele: Es gibt aber auch Positionen, an denen gespart werden kann. „Das tun wir bereits so gut es geht“, beteuert der Vorsitzende. Doch es bleibe bei aller Betrachtung auf die zukünftige Entwicklung dabei. „Wenn wir jetzt handeln, wird ein gesellschaftlich und sportlich attraktiver TC Blau-Weiß bestehen können.“ Als Konsequenz empfiehlt der Vorstand den Mitgliedern eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge. Ein Schritt, den sich die Verantwortlichen des Clubs sichtbar nicht leicht gemacht haben.

„Ich bin seit 30 Jahren Mitglied in diesem Verein“, bekennt de Waele, „aber ich kann mich an eine Beitragserhöhung nicht erinnern.“ Selbst die Umstellung von D-Mark auf Euro sei wohl nur im Rahmen der üblichen Rundung anhand des offiziellen Wechselkurses erfolgt. Doch trotz Beitragsanpassung liege der TC Blau-Weiß weiter unterhalb dem Niveau vergleichbarer Vereine im Umfeld, sagt der Vorstand: Um 40 auf 240 Euro, also um 3,33 pro Monat, soll der Beitrag für Erwachsene erhöht werden. Der für Jugendliche von 80 auf 100 Euro im Jahr, wobei Teilnehmern des Wintertrainings wie gewohnt 80 Euro erstattet werden. Unverändert bleiben sollen die 30 Euro pro Jahr für Inaktive ebenso wie der Familienbeitrag, bei dem dem Mitglied pro Kind 20 Euro an gerechnet werden ebenso wie die gestaffelten Schnupperangebote für Neumitglieder. Seine Argumente hat der Vorstand offensichtlich überzeugend vorgetragen. Es gibt wenige Nachfragen. Etwa ob die Beitragserhöhung Mitglieder abschrecken würde oder wie erforderlich überhaupt eine Sanierung von Platz 3 wirklich erforderlich sei.

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